Menschen, die man nicht sieht, wenn man nicht hinsieht

Im Dezember war ich mit Steffi, Nicole und Nik bei Hinz&Kunzt zu Besuch, um gemeinsam an der alternativen Stadtführung Hamburger Nebenschauplätze teilzunehmen. Die Stadtführung wird von Hinz&Kunzt Verkäufern durchgeführt, in unserem Falle hatten wir die Ehre uns von Torsten und Uwe die Stadt aus einer ungewohnten Perspektive präsentieren zu lassen.

nebenschauplätze_flyer

Im Flyer wird Der etwas andere Stadtrundgang mit folgenden Worten beschrieben:

Bei diesem Rundgang zeigen Experten der Straße die Hamburger Innenstadt als Wohnort. Die zweistündige Führung mit den Hinz&Künztlern Peter, Torsten, Harald und Uwe führt an Orte, die in keinem Reiseführer erwähnt werden. Bahnhofsmission statt Rathausmarkt, Tagesaufenthaltsstätte statt Alsterpavillon, Drogenberatungsstelle statt Einkaufspassage.

Ganz genau so war es denn auch. Nachdem uns Torsten und Uwe viel über das Projekt Hinz&Kunzt und wie es den obdachlosen Menschen unserer Stadt unterstützt erzählt haben, zeigten sie uns die andere Seite von Hamburg. Eine Seite unserer gemeinsamen Stadt, die man üblicherweise nicht bemerkt, wenn man nicht selber hinsieht. Verblüffend teilweise. So war mir das Drop-In in der Nähe des Busbahnhofs durchaus schon ein Begriff, was genau dort aber passiert und wie probiert wird, den Menschen dort zu helfen, nicht.

Interessant am Rundgang fand ich vor allem die Erzählungen von Torsten und Uwe. Sie erzählten beide – der eine mehr, der andere weniger ausführlich – wie sie in die Obdachlosigkeit abgerutscht sind. Dabei wurde klar, dass solch ein Schicksal jeden treffen kann und sei er noch so gut in die Gesellschaft integriert. Um so schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich, ist es sich aus dieser Lage ohne fremde Hilfe wieder zu berappeln.

Und genau hier setzt Hinz&Kunzt an, durch die Arbeit als Verkäufer und in den Beratungen wird den Menschen die Möglichkeit zur Selbsthilfe geboten. Und das, so betonten die beiden, ist das Wichtige daran. Nur solcherart Hilfe sorgt für eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituationen der Einzelnen. Was aber auch nicht verschwiegen wurde ist der Umstand, dass sich viele leider nicht helfen lassen wollen bzw. können. Dafür kann es verschiedenste Gründe geben, häufig wohl aber psychische Krankheiten. Das ist tragisch, aber leiderkann niemandem geholfen werden, wenn er sich nicht helfen lassen will.

Mich hat dieser Rundgang und das Kennenlernen der beiden beeindruckt. Natürlich wusste ich vorher, was Hinz&Kunzt ist. Trotzdem habe ich die Verkäufer bisher kaum beachtet und mir selten bei ihnen eine Zeitung gekauft. Das wird sich ändern bzw. hat sich schon geändert. Bei mir steht ein Hinz&Kunzt Verkäufer immer direkt am Penny-Markt. Gestern kaufte ich mir bei ihm meine zweite Ausgabe und ich will, dass das nicht die letzte ist, die ich bei ihm kaufe. Ich weiß jetzt, dass und was es ihm bringt, wenn ich bei ihm eine Zeitung kaufe. Und lesen tu ich sie dann natürlich auch!

Seit dem Rundgang bin ich viel am Nachdenken. Nachdenken darüber, was ich persönlich machen kann, um die Situation von hilfsbedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft zu verbessern. Ihn mir ist das Bedürfnis geweckt worden, etwas zurückzugeben, denn schließlich habe ich auch etwas bekommen. Und ich finde das gar nicht so einfach. Ich würde gerne neben der Arbeit irgendwo mit anpacken, was machen und nicht nur Geld überweisen. Ich weiß noch, wie gut mir letztendlich meine Arbeit als Zivi im Krankenhaus gefallen hat, sowas prägt ja dann auch irgendwie. Ich will mithelfen.

Deswegen habe ich mich entschlossen, nächste Woche Sonntag bei der 15. Hamburger Aktivoli-Freiwilligenbörse in der Handelskammer vorbeizuschauen und mich dort zu informieren. Wenn sich mir jemand anschließen will, meldet euch!

aktivoli

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